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  • Michael Pries

Bringing the Curriculum Alive! Eine Perspektive für das außerschulische Lernen

Neuseeland ist uns zeitlich zehn Stunden voraus, im Bereich des außerschulischen Lernens sind es mindestens sieben Jahre. 2016 hat das Ministry of Education dort unter dem Titel Bringing the Curriculum Alive Richtlinien für Unterricht und Erziehung außerhalb des Klassenraums veröffentlicht. Zielgruppe sind Schulleiterinnen und Schulleiter sowie Lehrkräfte aller Schulformen und Schulstufen. Das Ziel ist, die Einbeziehung außerschulischer Lernsituationen in den Unterricht zu fördern. „Ein gutes Beispiel“, findet Dr. Jakob von Au, „an dem wir uns in Deutschland orientieren könnten.“


Im Rahmen seines Impulses bei der Veranstaltung Lernorte im Dialog der Lernortwerkstatt, warb der Gymnasiallehrer und Wissenschaftler der Pädagogischen Hochschule Heidelberg für die Vernetzung schulischer und außerschulischer Einrichtungen. In dem von ihm mit herausgegeben Buch „High-Quality Outdoor Learning“ (Springer Verlag 2022) zeigt er auf, welche evidenzbasierten Wirkungen Lernen außerhalb des Klassenzimmers haben kann.

Autonomie erleben statt beschult werden

„Besonders förderlich für die Lernmotivation ist es, wenn Schülerinnen und Schüler selbstständig arbeiten können und Auswahlmöglichkeiten haben. Das funktioniert an außerschulischen Lernorten meistens viel besser als im Klassenzimmer“ sagt Jakob von Au.

An den Lernorten stellt sich immer wieder die Frage: Sollte man die Schülerinnen und Schüler einfach machen lassen, unter dem Motto „der Lerneffekt kommt ganz von allein“, oder mit pädagogischen Fachpersonal die Lehrkräfte am außerschulischen Lernort quasi ersetzen? Von Au hat dafür eine Faustregel: „Je geringer die didaktische Vorstrukturierung ist, desto wichtiger sind didaktische Rekonstruktionshilfen durch die Pädagoginnen und Pädagogen“. In einer Wissenschaftsausstellung wurde einfach mehr Vorarbeit geleistet, um den Lerneffekt zu unterstützen, als im Wald. Trotzdem braucht es in beiden Fällen qualifizierte Begleitung: Im Wald geht es mehr um die Fachdidaktik, in der Ausstellung um die lernorganisatorische Unterstützung


So viel Curriculum wie möglich, so wenig Schule wie nötig

Der Lernort muss sich seiner Rolle bewusst werden. So unterscheidet man beispielsweise zwischen

  • primären Lernorten, die einen direkten Bildungsauftrag haben (z.B. Lernlabore) und

  • sekundären Lernorten, die eigentlich eine andere Funktion haben, aber sich als Lernort eignen (z.B. Bauernhöfe).

Entsprechend kann dann auch die Nähe zu schulischen Strukturen und Inhalten stark variieren. Ein Bezug zum Curriculum wünschen sich nicht nur die Kultusbehörden, wenn sie außerschulische Lernorte empfehlen, sondern auch die Lehrkräfte an den Schulen, um insbesondere fachlich und didaktisch entlastet zu werden. Aufgabe der Lernorte ist es, dabei authentisch zu bleiben und besondere Lernerlebnisse zu ermöglichen.


Zusammenarbeit mit Wissenschaft anstreben

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof hat schon vor Jahren einen Weg eingeschlagen, der für die außerschulischen Lernorte beispielgebend sein kann: Mit ihrer Wissenschaftsinitiative fördert und unterstützt sie die wissenschaftlichen Arbeiten zum Lernen auf dem Bauernhof.


Das sollten wir ausweiten auf den gesamten Bereich des außerschulischen Lernens und Kontakte zwischen Lernorten und Wissenschaftlern, die das Lernen außerhalb der Klassenzimmer erforschen, herstellen. Dann wird es künftig vielleicht valide Grundlagen geben, um auch die Kultusministerien sowie das Bundesbildungsministerium für eine deutsche Kampagne “Füllt das Curriculum mit Leben“ zu gewinnen.


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